Die Maturaarbeit an der Kantonsschule Obwalden
Projektleitung: Patrick Meile
Mitteilung
Gesetzliche Grundlage "MAR"
Mit der Einführung der Verordnung des Bundesrates im MAR (Maturitätsreglement) sind alle Gymnasiasten verpflichtet, im Rahmen der gymnasialen Ausbildung, eine Maturaarbeit zu verfassen. Es heisst dort:
"SchülerInnen müssen alleine oder in Gruppen eine grössere, eigenständige, schriftlich und schriftlich kommentierte Arbeit erstellen und präsentieren".
Die Kantonsschule Obwalden hat auf das Schuljahr 1995 das neue Maturitätsreglement eingeführt und mit der Einführung von Maturaarbeiten im Schuljahr 1998/1999 begonnen. Die ersten Maturaarbeiten sind im Jahr 2000 abgeschlossen und präsentiert worden.
Zeitlicher Rahmen und Betreuung
Wie für die Studierenden, ist die Maturaarbeit auch für die Schulleitung, die Projektleitung und die betreuenden Lehrpersonen ein Projekt mit einem langfristigen Zeithorizont. Einerseits ist sie eine Arbeit, welche von ihrem Beginn bis zum Abschluss mehr als ein Schuljahr in Anspruch nimmt, andrerseits untersteht sie als neues Element der gymnasialen Ausbildung einer dauernden Entwicklung.
Die Studierenden werden zu Beginn der 5. Klasse durch die Projektleitung in die Grundlagen der Maturaarbeit an der Kantonsschule Obwalden eingeführt. Sie erhalten den Leitfaden, die Beurteilungskriterien und den entsprechenden Terminplan.
Anschliessend werden sie bis zu den Herbstferien durch ihre Klassenlehrperson und die Projektleitung betreut, bis sie mit einer frei gewählten Lehrperson aus dem Kollegium eine gegenseitige Projektvereinbarung auf der Grundlage eines Vorkonzepts unterzeichnet haben.
Von diesem Zeitpunkt an bildet die gewählte Lehrperson mit dem zusätzlich beigezogenen Co-Referenten das Mentorat, welches die Studierenden auf ihrem langen Weg betreut, begleitet und beurteilt.
Der Abschluss der Maturaarbeit mit einer öffentlichen Präsentation erfolgt Ende des ersten Semesters der 6. Klasse.
Sinn, Zweck und Anforderungen
Neben den Wissensgrundlagen und Erkenntnissen, welche wir uns im Laufe der Zeit aneignen, sind immer häufiger andere Fähigkeiten und Kompetenzen verlangt. Um sich in einer komplexen und sich immer schneller wandelnden Welt und Gesellschaft zurecht zu finden, zu behaupten und für die akademische Laufbahn nachhaltig gerüstet zu sein, sind instrumentelle Fertigkeiten, Arbeitsmethoden und Arbeitstechniken notwendig und gefordert.
Die Maturaarbeit verlangt von den Studierenden, sich über eine längere Zeit, auf ein wachsendes und sich veränderndes Projekt einzulassen und es zu einem sinnvollen Abschluss zu bringen. Für Projekte kennzeichnend ist es, dass vermehrt dem Prozess (dem Wie) und weniger dem Thema (dem Was) Bedeutung zukommt. Das heisst konkret: Sich aus eigener Motivation für ein Thema interessieren und entscheiden, sich darin vertiefen, sich die nötigen Kenntnisse aneignen, einen Lerngewinn vorweisen, Eigenverantwortung übernehmen, Selbstdisziplin entwickeln, effizient und solide recherchieren, experimentieren und diskutieren und das Ganze schliesslich in eine Form bringen, welche dem Grundverständnis einer wissenschaftlichen Arbeit entspricht und den vorgegebenen Kriterien standhält.
Die Maturaarbeit soll also dazu beitragen, dass die Studierenden ihr erlerntes Handwerk aus dem Gymnasium in einer grösseren eigenständigen Arbeit anwenden können und eine nachhaltige Erfahrung im wissenschaftlichen Arbeiten erlangen.
Der Unterschied - das Spezielle
Im schweizerischen Vergleich ist die KSO eine der ersten Mittelschulen, welche die Maturaarbeit eingeführt und umgesetzt hat. Die verschiedenen abgeschlossenen Durchgänge haben auch immer wieder zu Anpassungen, Veränderungen und Verbesserungen beigetragen.
Die Maturaarbeit verschafft einerseits jedem Gymnasium, vor allem aber auch allen Studierenden die Möglichkeit dem individuellen gymnasialen Weg, ein ganz persönliches Profil zu verleihen. Jede Maturaarbeit ist ein Unikat und Ausdruck persönlicher Interessen, Neigungen und Fertigkeiten.
Spezifische Merkmale der Maturaarbeit an der Kantonsschule Obwalden sind:
Die SchülerInnen sind frei in ihrer Themenwahl.
Die SchülerInnen sind frei in der Wahl der betreuenden Lehrperson aus dem Kollegium.
Die Betreuung der SchülerInnen erfolgt durch ein Mentorat, bestehend aus dem Coach (betreuende Lehrperson) und einem Co-Referenten (externe ExpertIn).
Die Maturaarbeit ist eine prozessorientierte Projektarbeit und unterscheidet sich durch eine eigenständige Feldarbeit von einer reinen Facharbeit.
40% der Beurteilung betreffen die Prozessebene und 60% die Sachebene.
Die Maturaarbeit ist zeitlich in Phasen unterteilt. Jede Phase wird nach Abschluss vom Mentorat beurteilt und bewertet und fliesst als Teil in die abschliessende Gesamtbeurteilung ein.
Die Maturaarbeit wird mit einer Note bewertet und im Maturazeugnis mit Titel eingetragen. Sie ist nicht promotionsrelevant.
Eine genügende Note ist die Zulassungsbedingung für die Maturaprüfungen.
Die Maturaarbeit ist für alle Beteiligten eine Herausforderung und eine Chance zugleich, der gymnasialen Ausbildung einen neuen Akzent zu setzen und das angeeignete Wissen und die erworbenen Fertigkeiten in intensiver, ausdauernder und ganzheitlicher Auseinandersetzung praktisch anzuwenden.
Immer wieder zeigen Studierenden, dass sie fähig sind Höchstleistungen zu erbringen, ausgezeichnete Produkte zu kreieren und ihre Werke in bestechend klarer Art zu präsentieren. Nicht immer, aber oft macht es Freude zu sehen, was die Studierenden gelernt haben und zu leisten fähig sind.
Die Maturaarbeit hat mit ihrer Anlage dazu beigetragen, dass an der Kantonsschule Obwalden ein neues Element gewachsen ist, welches die Eigenständigkeit und Selbstverantwortung der Studierenden fördert und gleichzeitig eine neue praxisbezogene und öffentlichkeitswirksame Komponente eröffnet. Eine Chance also, welche es zu packen und entwickeln lohnt.